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von Ralf Kaiser

Modellflugzeuge werden aus Balsaholz und vielleicht auch aus Faserverbundwerkstoff hergestellt, manchmal auch aus Verpackungsmaterial, so war es bisher, bis zu unserem Neujahrsfliegen 2018.

Nachdem sich der hässliche Wind gegen 15:00 Uhr doch etwas beruhigt hatte, packte unser Gastpilot Thomas eine PT17 Stearman aus, die Alle verblüffte. Sie sah eigentlich ganz normal aus, wie mit Oratex bespannt, aber doch auch ganz anders. Die Stearman ist zu nahezu 100% auf dem 3D Drucker entstanden und daher komplett aus Plastik oder PLA wie das Material richtigerweise genannt wird. Toll sieht die Steaman aus, das Fahrwerk hat funktionsfähige Stoßdämpfer, alles gedruckt, ja sogar die Scaleräder sind aus einem speziellen Gummi gedruckt. Einzig Motor, Regler und natürlich die Fernsteuerung stammen nicht aus dem Drucker. Sie scheint etwas schwerer als ein herkömmliches Modell, aber mit knapp 2 kg ist das völlig im Rahmen für einen 1.2 m großen Doppeldecker.

Ausgerüstet ist die PT17 mit einem Outrunner der 500 Watt Klasse also 3 LIPO, ca. 40-50 Amp. Der Prop ist ein APC 11x5,5, etwas wenig Steigung für drei Zellen, wie sich gleich herausstellte.

Dem Eigentümer Thomas war die Nummer wegen dem Wind dann doch etwas zu „heiß“, sodass er den Erstflug mir überließ. „Wenn‘s Brocken gibt ist nicht so schlimm, das ist schnell wieder gedruckt“, so ermutigte er mich vor dem Erstflug.

Der Wind kam genau von vorne, so gab ich langsam Vollgas mit leicht gezogenen Höhenruder. Ja, die Leistung ist nicht üppig, aber es reicht, ich hab sie absichtlich mal etwas länger rollen lassen, aber dann hebt die PT 17 sehr schön „Scale“ ab und steigt leicht nach oben. Alle Ruder sind perfekt getrimmt, nur scheint sie mir immer noch etwas schwanzlastig, das ist bei fast allen Doppeldeckern so, der Schwerpunkt ist doch immer weiter vorne als man denkt, aber Alles im grünen Bereich, die Stearman ist super gut beherrschbar.

Gleich wird auch mal eine Rolle geflogen, geht perfekt, natürlich auch ein Looping. Schnell habe ich mich an die PT17 gewöhnt und das Fliegen macht richtig Spaß. Jetzt mal das Überziehverhalten testen. In größerer Höhe ziehe ich langsam durch und nehme das Gas zurück, alles bleibt beherrschbar. Mit voll gezogenen Höhenruder taumelt dann die PT17 im Sack-Flug, bleibt aber voll steuerbar, kein Anzeichen von irgendeinem Zicken.

Das beruhigt natürlich erstmal, so sollte die Landung eigentlich auch kein Problem darstellen. Platzrunde und dann Anflug schräg gegen den Wind. Die PT 17 segelt deutlich besser als erwartet, ich muss die Leistung komplett rausnehmen, damit sie runterkommt. Kurz vorm Aufsetzten wieder etwas Schleppgas, leicht Ziehen, Dreipunktlage, Gas raus und die Stearman setzt sich trotz Wind butterweich auf die Piste.

Super, großartig, das hätte ich wirklich nicht erwartet. Völlig gutmütige Flugeigenschaften einfach toll. Beim nächsten Flug wird der Schwerpunkt noch etwas nach vorne verlegt und dann sollte es perfekt sein.

Nach der tollen Erfahrung habe ich mir auch gleich eine PT17 aus dem Drucker bestellt. Eine MIG 15 und eine Supermarine Spitfire sind schon fertig gedruckt und liegen auf der Werkbank.

Wer gerne noch mehr wissen möchte über gedruckte Flugmodelle, der kann mich gerne anrufen unter der bekannten Nummer.


Kommentar vom 1. Vorsitzenden

Liebe Vereinsfreunde,

die oft diskutierte neue Luftverkehrsverordnung ist am 07.04.2017 veröffentlicht worden und somit in Kraft getreten. Wir haben die Verordnung in den Downloadbereich gestellt, damit sie von jedem Mitglied zur Kenntnis genommen werden kann.

Für uns als Mitglieder eines Vereines mit einer Auflassgenehmigung und Flugleiter hat sich relativ wenig geändert. Das vielzitierte Thema der Höhenbeschränkung von 100 m ist für uns KEIN Thema, wir haben diese Höhenbeschränkung schon immer und für uns war das nie ein Problem. Wir sind alle erfahrene Modellflugpiloten, wir können alle unsere Flughöhe sehr gut einschätzen und halten uns an diese Höhenbeschränkung. Eine Telemetrie mit Höhenübertragung ist somit nicht notwendig. Wer dennoch eine Telemetrie an Bord hat, muss sich selbstverständlich auf diese Daten verlassen und die vorgeschriebene Flughöhe einhalten.

Es ergibt sich allerdings ein Widerspruch zu unserer Auflassgenehmigung, denn ein Pilot mit Kenntnisnachweis, dürfte auf einem Nachbargrundstück, die Erlaubnis des Grundstückseigentümers vorausgesetzt, auch höher wie 100 m fliegen. Ich kläre das mit der Zulassungsbehörde.

Einige Änderung wird die Kennzeichnungsplicht für Flugmodelle und der Kenntnisnachweis für Piloten sein. Dies gilt aber erst ab dem 01.10.2017.

Wie die Kennzeichnung eines Modells, im Besonderen mit einem Gewicht von 250 Gramm, im Detail aussehen soll, ist noch nicht beschrieben. Bei unserer Hauptversammlung hatte ich für größere Modelle ein Beispiel gezeigt. Ich halte eine 3cm x 2cm große Edelstahl Platte mit Gravur für geeignet. Diese kann, wie bei manntragenden Flugzeugen, links unter dem Höhenleitwerk angebracht werden. Eines unserer Vereinsmitglieder kann diese Kennzeichen für eine kleine Spende anfertigen. Es gibt sie aber auch beim DMFV zu kaufen.

Wie der Kenntnisnachweis aussehen soll, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Ein EASA PPL oder eine Modellflugberechtigung über 25kg scheint aber nach derzeitigem Informationsstand ausreichend. Wir werden vom Vorstand aus, hier am Ball bleiben und uns als Verein auch bewerben, solche Kenntnisnachweise ausstellen zu dürfen.

Bei dem FPV Fliegen, das Fliegen mit Videobrille oder Monitor gibt es allerdings Änderungen.
(frei wiedergegeben aus Homepage DMFV)

Fluggeräte unter 250 Gramm dürfen mit FPV geflogen werden, bis zu einer Flughöhe von 30 m ohne Luftraumbeobachter.

Fluggeräte über 250 Gramm dürfen mit FPV bis zu einer Höhe von 30 m geflogen werden, jedoch nur mit einer zweiten Person als Luftraumbeobachter.

Soll über 30 m Höhe mit FPV geflogen werden, dann muss ein Schüler- Lehrer System eingesetzt werden, wobei der Pilot ohne FPV der Lehrer ist, der jederzeit eingreifen kann.

Wird ein Fluggerät auf Sicht geflogen, ein Monitor mit Livebild steht nur als Sekundärsichtgerät bereit, so wird dieses Fluggerät wie ein „Normales Modellflugzeug“ der entsprechenden Gewichtsklasse behandelt.

Das Fliegen auf Geländen ohne Aufstiegserlaubnis, das sog. Wildfliegen, möchte ich hier nicht kommentieren. Jeder Pilot muss sich für diesen Fall selbst über die Rechtslage informieren.

Ich wünsche Euch auch weiterhin viel Spass bei unserem Hobby,

Holm und Rippenbruch

Ralf Kaiser, 1. Vorsitzender

Quellen: Homepage DMFV, Luftverkehrsordnung